In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 trafen sich in Erlauf der sowjetische General Dmitri Dritschkin und der US-amerikanische General Stanley Reinhart und feierten gemeinsam den um 00:01 Uhr in Kraft tretenden Waffenstillstand. In Europa war der Zweite Weltkrieg beendet.

Das Museum ERLAUF ERINNERT ist seit 2015 ein Ort der Verknüpfung von Zeitgeschichte, Erinnerungskultur und Kunst. In der Dauerausstellung sind – ausgehend von dem historischen Ereignis 1945 – die Vorgänge im Ort und in der Region, die Geschichte von Totalitarismus, Vertreibung durch Krieg, Vernichtung und Widerstand sowie das „Leben nach dem Krieg“ und die lokale Erinnerungskultur in Themenblöcken mit historischem Material wie auch mit künstlerischen Arbeiten aufbereitet. In Kooperation mit dem zeithistorischen Zentrum „Melk Memorial“ verbindet das Museum im Rahmen des Projektes „Zwischenräume“ Orte in der Region mit dem Ziel, die Erinnerung an Widerstand und Verfolgung während des Nationalsozialismus wach zu halten. Neben Wechselausstellungen im Museum begann mit den 1995 errichteten Denkmälern von Jenny Holzer und Oleg Komov in Kooperation mit Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich eine sich kontinuierlich fortsetzende kritische Auseinandersetzung des Ortes mit der Geschichte Österreichs im Nationalsozialismus durch Gegenwartskunst, die sich in permanenten und zahlreichen temporären Projekten im öffentlichen Raum manifestiert. So auch mit dem aktuellen Projekt von Catrin Bolt.

Programm

Sonntag, 22. Mai 2022

ganztägig: Catrin Bolt, „dazwischen“ – ein Projekt für die Friedensgemeinde Erlauf. Ausgehend von den jährlichen Feierlichkeiten zum Friedensschluss 1945 in Erlauf geht das Projekt der Künstlerin Catrin Bolt an die Ränder jenes lokal gültigen Friedens und beschäftigt sich mit einer seiner Grauzonen: der Situation der Menschen in den Flüchtlingslagern auf den ägäischen Inseln, in denen Geflüchtete monatelang auf ein Asylverfahren mit unklarem Ausgang warten. Im September 2021 hat die Künstlerin im Rahmen eines Workshops über mehrere Wochen mit Kindern und Jugendlichen, die im Lager Kara Tepe auf Lesbos leben, zusammengearbeitet. Einen „sicheren“ Ort sollten die Schüler*innen, welche die Schule der NGO METAdrasi besuchen, in Form von Zeichnungen und Malereien darstellen. Es sollte ein fiktiver Ort sein, an dem sie sich wohlfühlen und den sie für sich haben. Abgesehen von den Situationen, aus denen sie geflüchtet sind, leben diese Kinder und Jugendlichen oft über Monate und manchmal Jahre mit der Unklarheit, ob sie die Chance bekommen, in Frieden und Sicherheit zu leben.

Eine Auswahl der entstandenen Malereien und Zeichnungen wurden von der Künstlerin im Ort auf den Boden übertragen: Am Marktplatz, vor dem Sportplatz, an der Skateboardbahn, vor dem Kindergarten, an einer Busstation oder vor dem Zebrastreifen. Durch ihre Verteilung begegnet man ihnen somit auf alltäglichen Wegen im Ort, immer im „Dazwischen“ oder am „Weg wohin“ zwischen Haus und Arbeit, Auto und Geschäft, beim Warten auf den Bus. Die Bilder geben hier unvermutet einer Sehnsucht Raum, indem sie Orte und Situationen zeigen, die gerade nicht greifbar sind. Die Übertragung der Bilder in den öffentlichen Raum der Gemeinde stellt eine Kommunikation der geflüchteten Menschen mit den Bewohner*innen von Erlauf dar und steht im Gegensatz zu den medialen Nachrichten über sie.

Die Ausstellung sowie die bereits installierten Bodenarbeiten werden offiziell am 11. Juni 2022 eröffnet. Zum Museumsfrühling ist die Ausstellung bereits vorab zu besichtigen. Im Museum ist eine Informationskarte mit allen Orten, an denen die Zeichnungen in Erlauf zu finden sind, erhältlich.

Öffnungszeiten

So10:00 - 16:00 Uhr

ERLAUF ERINNERT. Museum der Friedensgemeinde Erlauf

Kirchenplatz 3,
3253 Erlauf

Route zum Museum